Gutachten Auflastung

Auflastung und zGG – Hymer C614SL

Ich möchte an dieser Stelle unsere Erfahrungen in Bezug auf das zGG und die Auflastung eines Hymer C614SL auf Fiat Ducato X250 35L schildern.
Ich möchte damit hauptsächlich anderen die Möglichkeit geben, meine Fehler zu vermeiden, oder eine Lösung zu finden, wenn es zu schon zu spät ist. Gerade was das zGG beim Wohnmobil betrifft, kommt es ja immer wieder zu den gleichen Fragen.

Zunächst nochmal zur Vorgeschichte:
Aufgrund verschiedener Aspekte haben wir unseren 2013 angeschafften Niesmann Bischoff Clou Trend 570E dieses Jahr wieder verkauft und uns neu orientiert.
Die Hintergründe dafür waren:

  • das Alter (EZ 1992) im Hinblick auf lange Standzeiten, in welchen wir nicht wirklich weg gekommen sind – es fielen jedes Jahr kostenintensive Reparaturen von Standschäden an
  • Schadstoffklasse – wir haben ursprünglich angenommen, eine grüne Plakette bräuchten wir nicht, da wir in entsprechenden Zonen nicht fahren würden – Irrtum
  • Verbrauch und Geschwindigkeit
  • zGG – Jenny hat so einen Spar-Führerschein und durfte das Mobil nicht bewegen.

Nach langem Hin und Her wollten wir also in die 3,5t-Klasse umsteigen, dass das knapp werden würde, war uns klar, daher haben wir lange Gewichte verglichen, Zubehör gewogen (und ausgetauscht) und gerechnet.
Die Suche nach dem passenden Wohnmobil ging überraschend schnell. Gleich der erste, den wir eigentlich „nur mal so“ anschauen wollte ist es geworden.
Letztendlich ist unsere Wahl gefallen auf einen Hymer C614SL, EZ 2007, auf Fiat Ducato 3,0 JTD (35L) mit 158 PS.
Leergewicht (in fahrbereitem Zustand) laut Fahrzeugpapieren und Hymer-Preisliste: 3.110 kg.

Die Gewichtsthematik habe ich mit dem Händler ausführlich diskutiert. Zu guter Letzt kamen wir zu dem Ergebnis: Wir bleiben im Normalfall unter 3.500 kg, in Einzelfällen können wir einen kleinen 750 kg Anhänger dahinter hängen und entgehen so zumindest den dauerhaften Einschränkungen.
Am Fahrzeug ist eine AHK verbaut, weiter eine Omnistor 5002 (4,0 m), sowie eine automatische Sat-Anlage (Oyster 85) und TV. Das haben wir bei unseren Berechnungen berücksichtigt. Nach Recherche im Netz habe ich mich darauf eingeschossen, dass „im fahrbereiten Zustand“ bedeutet: inkl. Diesel 90%, inkl. Wasser, inkl. 2 voller Gasflaschen, inkl. Fahrer 75 kg. Auf der Basis kam ich im schlechtesten Fall auf 3.540 kg, reisefertig bepackt. Sicherheitshalber haben wir uns Alu-Gasflaschen gekauft, man spart ja, wo man kann.

Gestern dann die Überraschung: Ohne Reisegepäck, ohne Lebensmittel, ohne Fahrräder, nur mit dem üblichen Campingzubehör, inkl. mir als Fahrer, inkl. unserer Tochter samt Kindersitz, inkl. unseres kleinen Hundes: 3.740 kg…. – und der Dieseltank war gerade mal halbvoll, Jenny war gar nicht im Fahrzeug….

Das mussten wir erst mal verdauen, heute haben wir dann nochmal kontrolliert: Wassertank, Boiler, Abwassertank, Toilettenkassette, alles auf den letzten Tropfen ausgewrungen, entbehrliches Zubehör ausgeladen, Tochter gegen Frau getauscht und Hund zu Hause gelassen: 3.640 kg….

Daraufhin haben wir nachgewogen, und zwar alles:

Masse in fahrbereitem Zustand laut Kfz.-Schein  3.110,00
Kraftstoff  inkl.
Frischwasser inkl.
Gasflasche 1 voll   inkl.
Fahrer  inkl.
Markise Omnistor 5002 4,0m  40,00
Sat-Anlage Oyster-Digital  14,50
TV alphatronics inkl. Halter 10,00 
Anhängerkupplung  30,00
Camp SL-Elegance Paket 39,00
Camp SL Komfort Paket 1  25,50
 Camp SL Arktis-Paket 17,00
 3.0 M-Jet 158 PS 100,00
 Klimaanlage Fahrerhaus  18,00
 Beifahrer (Frau und Kind)  85,00
Hund 12,00
Reserverad + Pannenwerkzeug 32,40
Gasflasche 2 voll 16,50
Safari Room  + Gestänge + Heringe 27,80
Gepäck + Lebensmittel f. 3 Personen 80,00
3 Stühle + Tisch 23,00
Beistelltisch 3,50
Auffahrkeile  3,10
Wäschespinne 2,30
Reimo Kiste 2,80
Grill  4,60
Strom-Anschlußkabel  4,00
Werkzeugkiste  3,30
Peggy Peg’s  2,10
Abspannset Markise 1,20
Küchenutensilien und Töpfe 13,30
Kabel und Kleinkram 2,30
Kopfkissen + Schlafsäcke 10,50
Kindersitz 7,00
Sonstiges 10,00
Gesamtgewicht  3.750,70

Was passiert ist, wurde schnell klar: größerer Motor, Klimaanlage und 3 Zusatz-Ausstattungspakete nicht berücksichtigt. Von letzteren wussten wir nicht, von den beiden anderen dachte ich, sie seien mit im angegebenen Leergewicht enthalten…
Manche Gewichte sind geschätzt, den Fernseher habe ich nicht abgeschraubt, zum separaten Wiegen, das meiste sind aber echte Gewichte. Natürlich könnte man das ein oder andere gelegentlich zu Hause lassen, z. B. Safari Room, im 2 Wochen Urlaub hätten wir das aber gerne dabei, war u.a. ein Grund das WoMo zu kaufen.
Reserverad wegrationalisieren ist sicherlich möglich, jedoch nicht Sinn der Sache. Und viel mehr ist auch nicht mehr ausladbar.
Würde auch nicht wirklich helfen, denn Fahrräder haben wir auch noch keine dabei

Fazit: Auflastung! Doof! Zumindest wenn man den ursprünglichen Antrieb für den Fahrzeugwechsel vollständig berücksichtigt.

Aber: Wie? Und was stimmt?

Ich habe im weiteren Verlauf verschiedene Stellen kontaktiert, der eine meinte eine Auflastung gehe gar nicht, der nächste wollte eine Zusatzluftfederung an der Hinterachse einbauen, für läppische 2.800,- EUR inkl. Einbau und Eintragung. Der dritte wieder sagte, das Chassis gibt eine Auflastung auf 3.850 kg ohne technische Änderung her, mehr ginge sowieso nicht… 

Und auch dieser Frage möchte ich mich im folgenden gerne widmen, um es anderen möglicherweise leichter zu machen, die benötigten Informationen zu finden.

Im übrigen: Ich gebe zu, dass ich nach der letzten Aussage, es sei keine technische Änderung notwendig, und insbesondere aufgrund der Tatsache, dass das Fahrzeug im Anhängerbetrieb mit bis zu 750 ungebremsten Kilogramm mehr unterwegs sein darf, auch kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt habe, einfach so zu fahren. Verantwortungsgefühl und Rechtsbewusstsein haben aber doch gesiegt.

Hier geht’s weiter mit den ersten Recherchen.

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