Sachmangelhaftung, Wandlung oder Nacherfüllung?

In diesem Beitrag möchte ich in Bezug auf unser „Gewichtsproblem“ den Aspekt der „Sachmangelhaftung“ einmal aufgreifen. Und dabei der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten grundsätzlich Richtung Händler bestehen würden in einem solchen Fall.

Ich habe den Händler bei der Besichtigung und den folgenden Gesprächen ausdrücklich gefragt, ob das im Inserat angegebene Leergewicht schon inkl. Anbau- und Zubehörteilen wie z.B. Markise und Satanlage sei. Die Antwort war: „Nein, haben wir aus dem Fahrzeugschein abgeschrieben.“

Nicht rechnen, sondern wiegen vor dem Kauf

Basierend darauf habe ich meine Berechnungen angestellt, also Gewichte für Markise, etc. aufaddiert und nachgerechnet, ob wir mit unserem Gepäck unter 3,5 t bleiben. Das Ergebnis habe ich wiederum erneut mit dem Händler besprochen. Ich habe auch danach gefragt, ob eine Auflastung möglich sei, da wir immer sehr knapp unter den 3,5 t auskamen und mit einzelnen Beladungs-Szenarien auch drüber. Für letztere Fälle hatte ich da schon überlegt, in diesen Einzelfällen halt mit Anhänger zu fahren. Auch das habe ich mit dem Händler besprochen. Letztlich hat er mir nie gesagt, es passe nicht, hat aber auch nie behauptet, dass die 3.110 kg aus dem Fahrzeugschein richtig seien.

Irgendwann im Verlauf der Gespräche hatte ich auch nach der Möglichkeit der Wiegung gefragt. Er hat sofort eingeräumt, dass dies möglich sei. Ich sollte einfach Bescheid sagen, er würde dann klären wo an dem Tag die Möglichkeit des Wiegens gegeben sei, er habe verschiedene Stellen zur Auswahl, die manchmal aber schlicht überlaufen seien, weswegen Terminabsprachen in dem Fall einfach besser wären. Die Möglichkeit habe ich zu guter Letzt nicht in Anspruch genommen, da ich davon ausging, dass das angegebene Leergewicht halbwegs stimmen würde und meine Berechnungen auch.

Sachmangel? Nacherfüllung oder Wandel!

Ob nun ein Sachmangel vorliegt muss man also erst mal klären. Falls ja, am Ende stünde die Nacherfüllung oder gar Wandlung.
Wir können den Gedanken gerne mal durchspielen, allerdings sah ich den Sinn einer Wandlung nicht und auch wenig Aussicht auf Erfolg.

Aus meiner Sicht hat der Händler mir niemals zugesichert, dass ich mit meiner Beladung <3.500 kg bleiben würde. Wie kann er auch, er weiß ja nicht, was ich mitnehme.
Er wusste ganz offensichtlich genauso wenig wie ich, was das Fahrzeug wiegt, hat aber auch mehrmals darauf hingewiesen, dass er das Leergewicht aus den Fahrzeugpapieren abgeschrieben habe. Mein Fehler, das nicht überprüft zu haben.
Bei der Diskussion, ob 3,5 t reichen – denn uns war ja klar, das wir uns in der Zuladung arg begrenzen würden, insbesondere im Vergleich zu unserem alten Niesmann & Bischoff – hat er mich tatkräftig unterstützt, hinterfragt, was ich wofür angesetzt habe, ob ich z.B. die AHK nicht vergessen habe, etc.
Aus meiner Sicht kann ich ihm nichts vorwerfen. Mir war immer klar, dass wir uns immer sehr knapp unter, oder sogar leicht über dem zGG bewegen würden. Daher haben wir ja auch im Vorfeld geklärt, ob generell die Möglichkeit der Auflastung besteht.

Die Tatsache, dass 3 Ausstattungspakete verbaut worden waren, die zusammen fast 82 kg mitbrachten, sowie den größeren Motor, bzw. dessen Mehrgewicht habe ich schlicht übersehen, bzw. auch nicht gewusst, dass diese im Leergewicht nicht enthalten sind. Ich dachte immer das sei so.
Wenn überhaupt, kann man dem Hersteller vorwerfen, nicht sauber gearbeitet zu haben:

  • 132 kg Zusatzgewicht für Ausstattung und Motor
  • 225 kg konventionelle Belastung (3x 75 kg) für die zul. Anzahl der Personen, der Fahrer ist ja schon im fahrbereiten Zustand enthalten
  • 69,7 kg für die persönliche Ausrüstung

Überladen nach DIN EN1646-2

In Summe sind das 426,7 kg. Damit wäre ich also bei äußerst geringer Beladung nach DIN EN1646-2 bereits überladen. Allerdings sagt die DIN auch (und übrigens auch das Hymer-Handbuch) das mögliche Sonderausstattung von der Zuladung abgeht. Dazu gehört neben der Markise und der Sat-Anlage  auch der Motor und die Zusatzpakete.
8 Jahre nach Erstzulassung mit dem Hersteller darüber zu streiten halte ich für müssig. Und auch den Streit mit dem Händler.
Mein Gefühl sagt eh, ich kann ihm nichts vorwerfen. Aber unterstellen wir mal, man könnte, und man würde. Und man bekäme sogar Recht. Und dann? Wird gewandelt. Geld zurück, WoMo zurück. Danach hätte ich keins mehr stehe eigentlich wieder vor dem gleichen Problem.
Ein WoMo der Größe zu finden, bei dem ich mit wenig Kompromissen unter 3,5t bleibe, ist kaum machbar. Wir haben es versucht, es hat nicht geklappt. Das Ende dieses Liedes ist also dann, nach einem Fahrzeug mit höherer Zuladung und somit höherem zGG zu suchen.
Dann kann ich auch auflasten. Vielleicht habe ich Glück und der Händler ist gesprächsbereit und beteiligt sich an den Kosten. 

Eigenverantwortung

Sicherlich ist es ein Leichtes, erst mal den Händler in die Pflicht zu nehmen. Ich gehöre aber noch zu denen, die erst mal bei sich selbst anfangen: Ich habe nicht ausdrücklich verlangt, das ECHTE Leergewicht zu erfahren. Die Bedienungsanleitung, COC, sämtliche Rechnungen zu Markise, Alarmanlage, Reparaturen, Wartungen, usw. lagen nebst der originalen Hymer-Preisliste im Fahrzeug und konnten von mir eingesehen werden. Teilweise zwar auf Finnisch, aber mit ein bißchen gutem Willem und Google-Übersetzer (oder einem Anruf bei Hymer) wäre ich durchaus in der Lage gewesen, heraus zu finden, mit welcher Zusatzausstattung das Fahrzeug ausgeliefert wurde, und was es demzufolge wiegen müsse. Hab ich nicht gemacht, dafür jetzt dem Händler die Schuld in die Schuhe zu schieben, hätte ich unfair gefunden.
So ein bißchen Eigenverantwortung kann man bei einem Gebrauchtfahrzeugkauf in dieser Preisklasse auch vom Käufer erwarten, denke ich.

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