Toleranz beim zulässigen Gesamtgewicht

Immer wieder mal hört oder liest man von einer Toleranz bei Gewichtskontrollen. Diese betrage 5% und so hoch dürfe in Deutschland die Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts sein, ohne dass es Konsequenzen habe. Mit diesem Gerücht möchte ich hier einmal aufräumen.

Toleranz oder Sanktionsfreiheit?

Soweit mir bekannt ist, gibt es keine Toleranz bei Gewichts-kontrollen. Es wird wohl, ähnlich wie bei Geschwindigkeits-kontrollen, eine Wiegeungenauigkeit i.H. 2% berücksichtigt. Der Bußgeldkatalog sieht daher Sanktionen überhaupt erst ab einer Gewichtsüberschreitung von 2% und mehr vor.
Bis zu einer Überschreitung von 5% sieht der Bußgeldkatalog keine Konsequenzen vor, weder Punkte in Flensburg, noch Bußgeld, noch Fahrverbot.

Selbstverständlich kann die Polizei bei einer Kontrolle verlangen, dass der „ordnungsgemäße Zustand“ hergestellt wird, also Übergewicht vor Weiterfahrt ausgeladen wird.
Das handhabt die Rennleitung in Deutschland aber nur bei „erheblicher Überschreitung“ der zulässigen Lasten so. Aufgrund dieser Sanktionsfreiheit bis 5% hat sich scheinbar eingebürgert von einer Toleranz zu sprechen.

Richtlinie 92/21 EWG

Tatsächlich gibt es eine solche 5%ige Toleranz, allerdings im Zusammenhang mit dem zulässigen Gesamtgewicht. Und die führt wohl immer wieder zu Verwirrung. Aus dem Promobil Ratgeber Wohnmobil-Gewichte:

Denn für die Homologation von Fahrzeugen – die Prüfung der Übereinstimmung mit den Zulassungsvorschriften – gilt die Richtlinie 92/21 EWG vom 31. März 1992. So berichtet Jost Krüger, Leiter Referat Technik im Herstellerverband CIVD. Gewichtsprüfungen gelten unter dieser Voraussetzung als erfüllt: „Die Massen des leeren Fahrzeugs entsprechen mit einer Toleranz von plus/minus fünf Prozent den Herstellerangaben.“

Wikipedia schreibt über diese Richtlinie:
Richtlinie EG92/21

In Ihrer ganzen Pracht findet man sie hier (Seite 5 ganz unten):
Richtlinie EG92/21

Dazu noch ein Urteil des OLG:
OLG Hamm

In dem Urteil bekommt der Kläger, der sein Fahrzeug zurück geben möchte zwar kein Recht (in diesem Fall: richtigerweise, wie ich finde), die Begründung des OLG zeigt m.E. jedoch auch auf, dass das tatsächliche Gewicht (leer, im fahrbereiten Zustand) schon maßgeblich ist, wenn bei Beladung nach DIN EN 1646-2 eine Überlastung erreicht wird.

Was heißt das alles für uns?

In meinem Fall wusste der Verkäufer sehr genau, dass wir zu dritt mit Hund und Fahrrädern reisen würden. Nach allem was ich heraus gefunden habe, hätte er mich darauf hinweisen müssen, dass dies nicht möglich sein würde, damit kein Sachmangel vorliegt.

An der Stelle könnte man jetzt auf die Idee kommen, so ein Fahrzeug fix wieder zu verkaufen und von vorne anzufangen.
Hm, und wie verkaufe ich ein Fahrzeug, welches leer, nur mit Fahrer, Sprit, Wasser und Gas, aber ohne Beifahrer, Gepäck, persönliche Ausrüstung usw. bereits beinahe 150 kg überladen ist? Wenn ich diesen Umstand verschweigen würde bei einem Verkauf und es käme per dummen Zufall später heraus, wäre das Arglist.
Daher: so wie es jetzt dasteht, dürfte das WoMo wohl unverkäuflich sein, wenn man ehrlich zum möglichen Interessenten ist.

Abschließend noch zwei Links zum Thema Zuladung und Gewicht:
Promobil Ratgeber: ein gewichtiges Thema
Reisemobil International Praxis: Die Crux mit der Zuladung

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